Montag, 30. November 2009

Kaum zu glauben!

Ich kann es kaum glauben, was da ueber den "Demjanjuk-Prozess" bei Spiegel-online berichtet wird.
Kann es sein, dass Demjanjuk fuer verhandlungsunfaehig erklaert wird? Kann es sein, dass aufgrund der jahrelangen Schlamperei der Justiz nun aus dem gross angekuendigten Prozess eine riesige Enttaeuschung wird? Vor allem wohl fuer die Nebenklaeger, die Nachkommen derjenigen, die durch Demjanjuks Mithilfe umkamen. Spiegel-online zeigt auf, dass die Fakten bereits seit Jahren vorlagen, die Aktenlage sich keinesfalls ploetzlich geaendert hat, sondern eher deshalb auf Demjanjuks Abschiebung gepocht wurde, weil die "Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklaerung nationalsozialistischer Verbrechen" in Ludwigsburg kurz vor den Feiern zum 50-jaehrigen Bestehen stand. Es folgte Beifall aus aller Welt und die Befoerderung des Behoerdenleiters zum leitenden Oberstaatsanwalt.
Niemand hat sich all die Jahre dafuer interessiert, bzw. wurden auch andere Verbrecher, die aehnliches wie Demjanjuk auf dem Gewissen hatten, nicht strafrechtlich verfolgt.
Was sagt das ueber uns, ueber Deutschlands Einstellung zu den Nazi-Verbrechen aus?

Der Shalit "deal" - was wir erfahren

... ist zurzeit nicht viel, ausser, dass etwa 980 Gefangene im Gegenzug fuer Gilads Heimkehr freigelassen werden. Die Liste wird nicht veroeffentlicht, jedenfalls nicht in diesem Stadium der Verhandlungen. (HIER bei Haaretz nachzulesen)
Ehrlich gesagt, wird es langsam Zeit, dass etwas passiert. Man kann so gar nicht glauben, dass der Tag wirklich nahe sein soll, an dem Gilad, der entfuehrte Soldat endlich nach Hause kommt. Und immer noch wird diskutiert, ob der Preis nicht zu hoch ist, denn schliesslich geht es nicht nur um die unglaubliche Zahl von fast 1000 Gefangenen, sondern auch darum, weswegen sie in israelischen Gefaengnissen sitzen. Die Planung von vielen Terroranschlaegen mit zahlreichen Opfern, Kindern, Frauen, Jugendlichen geht auf ihr Konto.
Und noch einmal - beide Seiten sind abzuwaegen, immer wieder fragen die Moderatoren im Radio Menschen, die gegen den hohen Preis sind: "Und wenn es Ihr Kind waere, das da seit 3 Jahren in Gefangenschaft sitzt?"

Samstag, 28. November 2009

Shabbat in Alon Shwut

Es war ein angenehmer Shabbat mit vielen Menschen, die von innen strahlen. Alon Shwut ist eine religioese Siedlung, bzw. Jeshuw.
Wie immer war es bei der Rabbinerfamilie angenehm zwanglos. Eine Tochter kam mit Mann und ihren drei Kindern zum Shabbatessen.
Dort werde ich jedes Mal herzlich empfangen, wohl auch, weil der Rabbiner Mitglied eines Beit Din ist und sich sehr fuer Menschen einsetzt und interessiert, die Giur machen oder hinter sich haben. "Es ist jedes Mal eine andere Geschichte, die dahinter steckt, und jede ist interessant." sagt er.
Er hat eine hohe Meinung von Menschen, die konvertieren und hilft gern, wo er kann. Etwas abseits, auf einem Huegel befinden sich etwa 20 Karawane. Dort wohnt zurzeit ein junges Paar, das ich ueber eine Freundin kennen lernte. Beide kommen urspruenglich aus Lettland und sind seit einem Jahr verheiratet. Der Giurverlauf des Mannes ist unglaublich steinig gewesen.
Er hat hier in Israel angefangen, in einer Jeshiwa zu lernen, die Behoerden habe ihm jeden Stein, den es gibt in den Weg gelegt, das begehrte Visum, was fuer einen Giur benoetigt wird, um im Land bleiben zu koennen, immer wieder hinausgeschoben, bis er dann des Landes verwiesen wurde, zurueck nach Lettland. Er solle nach ein paar Monaten wieder kommen, dann waere "bestimmt alles geregelt". Nichts war geregelt als er einige Zeit spaeter voller Hoffnung wieder eingereist ist. Seine Akte war "verschwunden" mit allen Papieren in Originalausfuehrung. Erst, als er sich verzweifelt an den Rabbiner wendete, der mit ihm zum Innenministerium ging, um dort beherzt nachzufragen, ging es langsam vorwaerts. Vorwuerfe wurden ihm auch noch gemacht, er habe schlecht ueber die Behoerde geredet.
Als er endlich seinen Giur hatte, konnten die beiden heiraten und leben nun in einem der Karawane, sehr einfach, aber auch sehr gluecklich.
Heute mittag war ich bei ihnen zum Essen eingeladen. Sie waren sehr stolz auf ihr kleines Reich.
Ich habe beim Gang zurueck zur Familie des Rabbiners darueber nachgedacht, was fuer ein Gesicht die meisten Menschen in Deutschland machen wuerden, wenn sie diese Einfachheit sehen wuerden. Es waere fuer viele nicht fassbar, wie man solch ein Leben fuehren kann, jenseits jeglicher Luxusgueter. Sogar mein kleines bescheidenes Heim ist dagegen Reichtum.
Die Ruhe in Alon Shwut hat gut getan. Weit reicht der Blick ueber das wunderbare Land.
Wieder zurueck im "pulsierenden Leben" hier in der Moshava Germanit nehme ich die Bilder der urspruenglichen Natur mit in die neue Woche.

Freitag, 27. November 2009

Shabbat shalom - שבת שלום


















Die Sonne scheint, es ist ein wunderbarer Tag und ich werde mich gleich auf den Weg nach Alon Shwut machen.
Ausser der Rabbinerfamilie, von der ich eingeladen bin, werde ich noch ein junges Paar besuchen, die sich dort niedergelassen haben.
Shabbat shalom!

Totmuede aber heute reich beschenkt

Totmuede komme ich von einem Konzert im "Schrein des Buches", im Israelmuseum. Es gab eine wundervolle Darbietung von Piutim (gesungene Gebete, Psalme, Shabbatgesaenge) mit sehr oestlichen Melodien.
Der Chor, in dem meine Freundin Chana auch mitsingt, stand direkt vor den " Rollen vom Toten Meer. Die Akustik war hervorragend und das Publikum trotz der spaeten Stunde zahlreich.
Vorher habe ich in einer Reform-gemeinde ein Konzert mit Chassidischen Klaengen und Gesaengen besucht.
Es war fast fuer einen Abend zuviel des Guten.
Morgen mittag fahre ich nach Alon Shwut. Dort wohnt ein Rabbiner, den ich seit einem Jahr kenne und der mir stets Hilfe angeboten hat. Er haelt sehr viel von Menschen, die Giur machen und war selbst in einem Beit Din als Rabbiner taetig. Nachdem ich im letzten Jahr wieder zurueck nach Deutschland geflogen bin, hat er und seine Familie mir sehr regelmaessig durch Mails "Staerkungen" aus Israel geschickt. Ich bin ihm und seiner Frau, die mich schon oft zum Shabbat eingeladen haben, sehr dankbar. Es sind einfach sehr menschliche Menschen.
So bin ich auch morgen eingeladen, den Shabbat dort zu verbringen. Am Motzei Shabbat werde ich wieder nach Hause, nach Yerushalaiym zurueckkehren.
Shabbat shalom an alle meine juedischen Leser. Den anderen ein wundervolles Wochenende und einen geruhsamen Sonntag!

Donnerstag, 26. November 2009

Zusaetzliche Arbeit?

....von wegen Babysitter. Vor lauter Bewerbungen weiss ich schon gar nicht mehr, wem ich e-mails mit meinem Lebenslauf geschrieben habe.
So kam ich heute morgen in einen kleinen privaten Kindergarten. Eine Gruppe von ca. 25 Kindern erwartete mich. Die Kindergartenleiterin schickte mich gleich zu den Kindern, um zu sehen, wie ich mit ihnen umgehe.
Sie waren wirklich suess, haben gerade Kreisel fuer Chanukka gebastelt und waren sehr schnell warm mit mir.
Nun habe ich eine Entscheidung zu treffen. Die Leiterin will mich einstellen. Es koennte richtige versicherungspflichtige Arbeit werden, nur leider schlecht bezahlt. In der Stunde bekommt man netto 26 NIS. ( Ich habe in Bekleidungsgeschaeften nachgefragt, dort ist die Bezahlung aber noch schlechter, ca. 21 oder 22 NIS). Ich wuerde 20 Stunden in der Woche arbeiten.
Nachteil 1 : Auch am Freitag muesste ich arbeiten, von 9.30h bis 13h.
Nachteil 2: Ich werde viel schlechter bezahlt als bei der alten Dame. (bei ihr bekomme ich 40 NIS)
Nachteil 3: Es wird auf keinen Fall leichte Arbeit mit so vielen Kindern.

Vorteil 1: Es ist nur 2 Strassen weiter.
Vorteil 2: Ich kann noch an 4 Tagen vormittags weiter die Arbeit bei der alten Dame machen.
Vorteil 3: Es ist versicherungspflichtige Arbeit.
Vorteil 4: Ich haette zusammen mit der anderen Arbeit 3200 NIS.
Mit meinen Sal - Klita- Zahlungen, ( nochmal 1300 NIS) die noch bis Juni laufen, koennte ich mich so komplett finanzieren, muesste nur fuer Luxus meine Ersparnisse anruehren.
Noch ein Vorteil: Falls ich mich in der Zukunft irgendwo anders bewerbe, koennte ich Erfahrung vorweisen, zumindest fuer diesen Bereich.

Also denke ich, dass ich - wenn ich heute abend mit der Leiterin die Einzelheiten besprochen habe - zusagen werde.

Mittwoch, 25. November 2009

Kino - Erster Film in Jerusalem

Heute war ich zu meinem ersten Film in Jerusalem eingeladen. "5 Stunden entfernt von Paris" heisst er auf hebraeisch. "Five hours from Paris", mit Dror Keren, einem meiner Lieblingsschauspieler.
Wer hineinschnuppern moechte, hier ist ein Trailer mit englischen Untertiteln.
Ein Film ohne Happyend, mit witzigen Szenen, eine Liebesgeschichte der besonderen Art mit guter Filmmusik.
Empfehlenswert!